Archiv für den Monat: Juni 2016

Warum der „Brexit“ auch was Gutes hat – mehr als nur eine Entscheidung

Während des letzten Besuches eines Buchladens stand ich nun wieder vor dem Regal meiner Lieblingsautoren und stellte mir die stets ungeliebte Frage – welches Buch nehme ich? Eine quälende Frage auf der Suche nach der richtigen Wahl und der damit einher gehenden größten Unterhaltung und dem größten Nutzen.

Eine Entscheidung getroffen, den erworbenen neuen Schatz mit nach Hause genommen, auf einen spannenden Moment im Kopf des Schriftstellers und der Figuren hoffend, wurde ich jedoch schnell enttäuscht. Enttäuscht aufgrund meiner falschen Erwartung, enttäuscht von meiner Entscheidung für das vermeintlich „falsche“ Buch.

Währenddessen:
Das Referendum zum „Brexit“ wurde ausgezählt, eine Entscheidung ist gefallen, die Bürger des noch Vereinigten Königreichs haben gewählt, der Moment der großen Analysen und die Zeit der Kristallkügler ist gekommen. Das Unmögliche ist wahr geworden. Die Briten wollen raus. Nicht alle, das ist klar und allein das scheint schon viele zu überraschen. Wahlergebnisse von 98% für die eine oder andere, nein eher für die eine oder die eine Seite, die gab es in der DDR.

Wer ist schuld an diesem Ergebnis? „Wir nicht“ erschallt es reflexartig aus den Palästen in Brüssel, sie haben ja mit den Alleingängen deutscher Politik und deren Folgen zur Flüchtlingsfrage nichts zu tun, und das, so wirft man vor, war ein zentrales Thema und das entzündende Flämmchen für den Austrittswunsch- und willen.

„Ein Königreich, welches fast die halbe Welt erobert hatte, will aus der EU, weil sie mit Immigration nichts zu tun haben will“

Ein oft geteilter Slogan in den Netzwerken. Wer die Vielfalt der Einwohner Großbritanniens nur ansatzweise kennt, kann hier nur mit dem Kopf schütteln. Einwohner der Länder, die einst zum Commonwealth gehörten, haben bis heute noch das uneingeschränkte Recht auf die Insel zu kommen und auch dort zu bleiben. Da die Briten „die halbe Welt erobert“ haben, so gilt dass dann wohl auch für die halbe Welt. Diese Regelung hatte und hat nichts mit einer Mitgliedschaft in der EU zu tun.

„Populismus beschreibt die einfache Antwort auf eine komplexe Frage- und Problemstellung.“

Den Grund haben wir gefunden, aber wer hat sich nach diesem gerichtet? Und was tun wir dagegen? Dezidiert wird diese Frage beantwortet: Es sind die Alten. Eine Mehrheit für den Brexit kam erst durch die Ü 45er zustande, je älter der Wähler oder die Wählerin, umso höher der Anteil der Leaver.

Das scheint für viele Anlass zu sein, über das Wahlrecht im Allgemeinen nachzudenken.

Sollten die Alten noch in Fragen der Zukunft mitbestimmen dürfen? – Ja vielleicht, aber dann evtl. nur noch zum Anteil ihrer zu erwartenden Restlebenszeit. Abgesehen von der Perversion einem Menschen sein Recht auf Mitbestimmung proportional zur erbrachten Leistung gegenüber der Gesellschaft zu entziehen, ist es doch auch einfach nur rotzfrech von den „Alten“ zu sprechen und alles Ü45 zu meinen. In den Diskussionen zum Thema findet man zu meinem Entsetzen kein Entsetzen über diesen abstoßenden Vorschlag, aber es wird darüber diskutiert, wie man die Restlebenszeit definieren könnte, und das man sich bei diesem Ergebnis des Referendums die Frage durchaus stellen darf. Raucher ? Übergewicht ?

Frau Von der Leyen tritt kräftig in die selbe Populismuspedale. Jedoch das die Jungen bis zum und am Wahltag vergangenen Donnerstag offensichtlich kein großes Interesse an ihrer Zukunft hatten, beschreibt sich durch die geringe Wahlbeteiligung in dieser Altersklasse.

Auch in den sozialen Schichten wurde gewühlt, wer denn dem Brexit am nächsten war, und ja, es sind nicht nur die „Alten“, es sind die „Alten und Dummen“, denn dumm ist schon der, der zur unteren Mittelklasse gehört.

Dushan Wegner kommentierte diese Methode noch mit dem kleinen Anstoß, dass auch der Anteil der Behinderten größer bei den Brexitianern als bei den Liebhabern des Cluburlaubs ist. Auch wenn die Schamgrenze schon fast am Boden ist, traut sich dann doch keiner in dieses Kellergewölbe des schlechten Geschmacks.

Das aber auch 38% der 25jährigen und 43% der Eliten für den Brexit stimmten, wird unterschlagen und passt ja auch nicht ins Populisten Bild.

Als Vater einer 19jährigen, Geschichte studierenden, Tochter (Achtung: zukünftige Elite), diskutierten wir das im kleinen Kreis. Schnell zu einem Ergebnis ihrerseits findend, schüttelt sie nur mit dem Kopf, mit der Erkenntnis lebend, als junger Mensch, der außer im familiären Rahmen, gesellschaftlich noch nichts erbracht hat eher das Gefühl empfindet, eben nicht in der Lage zu sein, wichtige Entscheidungen nachhaltig treffen zu können.

Das soll keine, (die gleichen Argumente verwendende) Forderung sein, jungen Menschen das Wählen zu versagen, aber die altruistische Grundeinstellung macht mich als Vater stolz.

Wo ist hier das Postulat der Philanthropen? Deutliche Grenzen wurden überschritten .

Welche Vorschläge und Ideen kommen als nächstes, welche geheimen Wünsche haben denn die Nachwachsenden?

Sozial verträgliches Ableben mit 67 Jahren? Das würde dann auch die Rentenfrage lösen! Teilnahme am Euthanasieprogramm für gesellschaftlich nutzlose und zukunftsgefährdende alte Säcke und Säckinnen gegen Prämienzahlung an die Stiftung zum Bau von Froschtunnel?

Ein neues Referendum wird gefordert, 3 Mio haben hierzu schon eine Petition unterschrieben. Recht wenig, wenn denn doch bald 18 Mio gegen den Brexit stimmten. Nochmal abstimmen, so lange bis das Ergebnis passt? Neben der geistigen Gesundheit spreche ich jedem, der ein neues Referendum ernsthaft als Lösung in Erwägung zieht, den Demokratie- und Freiheitssinn ab. Mehr mit dem Feuer spielen geht nicht. Hierdurch zeigt man auch dem dümmsten Alten, dass der Todesstern in Brüssel die Demokratie vernichtet hat und das Imperium ausgerufen wurde.

Die alten Größen des Kommunismus würden kotzen vor Glück, wenn sie solche Rufe hören könnten, aber auch die alten Faschisten hätten feuchte Augen.

Getroffene Aussagen wie diese stehen den populistischen Äußerungen und der Einfältigkeit auf der Suche nach Ursache und Wirkung den „Parteien des Pöbels“ in nichts nach. Vorgeworfene Methoden werden gedankenlos übernommen.

Vor dem Hintergrund der Gleichmeierei, dem Wunsch als Wächter der Zivilisation anderen ihre Sichtweise aufzudrängen, wird separiert wie selten zuvor in der neuen Geschichte.

Aber auch ohne diesen Selbstmordakt hat der Begriff Europäische Union mittlerweile so viel mit Einigkeit zu tun, wie die DDR mit Demokratie. Herr Augstein, der das „Oxi“ der Griechen zum EU Austritt noch als einen klaren demokratischen Entschluss bewertete, in dem er diesem Votum auch Respekt aussprach, empfindet das Brexit Referendum als großen Mist, da die Demokratie komplizierter ist, als ein einfaches Ja oder Nein, oder weil ihm das Ergebnis nicht passt.

Auch ohne jetzt näher darauf einzugehen weshalb meiner Ansicht nach die Briten so abgestimmt haben, wie sie es eben nun gemacht haben, komme ich auf einen vorherigen Absatz zurück

„Wer ist schuld an diesem Ergebnis? „Wir nicht“, das ist EU einhellige Meinung. Die EU hat nichts unternommen, um ihre Vorzüge zu bewerben. Auf die Frage, warum man in der EU bleiben sollte, folgte ein genervtes „Weil es für uns alle besser ist“. Einem europäischen Volk, welches immer mehr darauf getrimmt wird Eigenverantwortung zu übernehmen, sei es bei Gesundheit oder Altersvorsorge, für eine Gemeinschaft mit drohender Altersarmut und Jugendarbeitslosigkeit, sollte diese Antwort nicht reichen. Absurde Argumente, wie Reisefreiheit, Roaminggebühren oder vor Dummheit strotzende Aussagen, jetzt in GB wieder Geld tauschen zu müssen, wenn das die Remainer sind, dann sollten wir unsere Eliten neu definieren.

Das Leid durch die kleinlich und schwachsinnigen Beschlüsse der EU Kommissionen ist für den Normalbürger durchaus spürbar und lässt mich dankbar sein, dass die Verantwortlichen nicht zufällig auch Piloten sind. Die wirklich großen internationalen Entscheidungen, Flüchtlingsverteilung, Gesundheitsschutz, die bekommen die Damen und Herren nicht hin, und hier könnten sie ihre Kernkompetenz zeigen, wenn ich doch eine erkennen würde.

Wie groß die Überschätzung der Führer dieser Nationen ist, das „Gerhard Schröder Syndrom“, hat Mr. Cameron wieder deutlich gemacht. Wie der Ex Kanzler sich seiner Sache zu Neuwahlen sicher war, so hatte Premier Cameron auch ein anderes Ergebnis erwartet und muss erkennen, dass die eigenen metakognitiven Fähigkeiten rudimentär sind

Er untermauert hierdurch noch den Eindruck vom Eindruck. Martin Schulz, EU Parlamentspräsident und Jean Claude Juncker, EU Kommissionspräsident scheinen vom selben Virus befallen, wenn man sich ihre trotzigen Aussagen zum Brexit anhört, aber auch die Bemerkung von Frau Merkel, der Frieden in Europa sei keine Selbstverständlichkeit, genannt im Zusammenhang mit der EU Austrittserklärung, toppt noch De Maizieres „wenn sie wüssten“. Panik und Angst wird in der Art verbreitet, dass sich ausländische Terroristen schon bei Jobbörsen nach neuen Tätigkeiten umschauen.

Aber zurück zum Anfang, zum Kauf des Buches und zur Analogie zum Referendum Ja es war das falsche Buch, und es hat mich Geld gekostet, ja ich habe es bereut dieses und nicht das andere Buch gekauft zu haben. ABER immer wieder werde ich diesen süßen Schmerz der Unentschlossenheit und der Qual der Wahl geniessen, und die Tatsache, das mir niemand eine Pflichtlektüre in die Hand drückt, denn wer die Wahl hat, genießt auch Freiheit und lernt für sein Handeln auch Verantwortung zu übernehmen.

Wichtig ist und war, dass die Briten gewählt haben, und mit Demut aber auch mit Stolz werden sie die Folgen tragen, das gilt es zu respektieren.

 

In eigener Sache:

Auch wenn das letzte Kölner Forum für Journalismuskritik herausgefunden hat, dass nicht hinter jedem WordPress Blog ein Journalist steckt, daher dieser Blog auch kein Medium darstellt, wage ich es einfach mal weiterhin „Bürgerzubloggen“ – Für Martin Schulz z.Zt. EU Parlamentsspräsident hat ja die Buchhändlerlehre auch gereicht.

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Kommunikationsatheisten

Die infantile Art des Dialogs, die Verwechslung von gesichertem Wissen mit Meinung.

Auch wenn einem schon viele Argumente durch den Kopf schwirren über das, was man ausdrücken und schreiben möchte, legt sich mir beim Anblick des weißen Bildschirms eine schwere Decke auf die einzelnen Typen der Tatstatur. Die Frage nach dem : wie fange ich an. Der Beginn eines Artikels, das Sortieren der Gedanken war schon immer eine kleine Herausforderung, aber das Spüren dieses Nebels, dieser Barriere scheint schwerer denn je.

Wünschenswert ist es, so viele Menschen wie möglich zu erreichen und auch von denen, die man erreicht, so viele wie möglich dahin gehend zu motivieren, den ganzen Text zu lesen. Jedoch wenn es um mehr geht als um Tipps und Tricks für den Haushalt, wenn es um soziologische oder politische Bereiche geht, scheint mir die Republik in drei Lager gespalten. Links, Rechts und die drei doofen Affen. Das erschwert die weitreichende Weckung des Interesses. Schon mit dem ersten „falschen“ Satz erreicht man nur noch ein Drittel der „Gemeinde“, die drei doofen Affen sind eh schon vor der Ouvertüre aus dem Rennen. Das andere Drittel leckt gerade den Stempel an, Platz in der Schublade wurde gemacht, und wenn wirklich noch bis zum dritten Satz gelesen wird, bist du schon der Feind. Dahin ist die Zeit der Unkenntlichkeit, die Momente in denen man stundenlang über Gott und die Welt diskutieren konnte.

Die Verwendung des Begriffs Atheismus, also die Überzeugung das es keinen Gott gibt, im Kontext Kommunikation ist bewusst gewählt. Die Fähigkeit zur verbalen Auseinandersetzung, zum beschließen von Kompromissen und dem mitteilen von Gefühlen, neben Mimik und Gestik, ersetzte in vielen Fällen die Notwendigkeit Ansichten und Ansprüche mit dem Knüppel zu verbreiten. Kommunikation hat was göttliches, und wie in vielen Belangen der „Religion“, entwickeln sich auch hier augenscheinlich Gruppierungen von Fanatikern und Extremisten. Wie in religiösen Anleitungen der extremen Art, in der es meist nur schwarz und weiß gibt, verschließt man sich  vor der Tatsache, dass Kommunikation was fließendes ist und nicht nur sein kann, eine Interaktion – nicht mit Gott, sondern mit einem seiner Geschöpfe, wie viele glauben wollen; oder zu wissen meinen ? –

Für die einen Meinung, für die anderen Wissen. Politik und Religion, beide Themen hatten schon immer das einzigartige Potential zu grenzenlosen und ausschweifenden Diskussionen. Emotionale Beweggründe stehen  hinter Argumenten, man erlebt hierzu auch hitzig geführte Debatten, denn emotionale Themen tun sich schwer mit kognitiven Lernzielen. Sicher sollten Grundregeln das „Event“ Debatte rahmen, aber das ist und kann kein starres Gerüst sein, sondern eine ständig seine Form verändernde Blase, ähnlich der ach so kitschigen Lavalampe.

Provokant darf eine These, eine Fragestellung auf jeden Fall sein, selbst absurde Ansichten sollen ihren Platz bekommen, denn es liegt immer noch an mir zu entscheiden, ob es inhaltlich den Wert hat in eine Debatte einzusteigen.

Verändert hat sich  jedoch der Anspruch des Einzelnen, das alles, was nicht zur eigenen Weltanschauung passt, vermeintlich beleidigenden Charakter hat. Es wird nicht  diskutiert, es wird nur noch kritisiert, kommentiert und immer öfter auch denunziert. Es wird nur zugehört oder gelesen um zu antworten und nicht, um zu verstehen. Alles was einem nicht passt wird nicht nur in Frage gestellt, was absolut legitim wäre, nein es wird versucht zu unterdrücken gerne mit den doch so verhassten populistischen Mitteln. Bei vielen Kommentaren muss ich nochmal genau hinschauen, wer das gesagt oder geschrieben hat, um zu wissen, ob es von rechts oder links kommt, denn ein Unterschied ist oft nicht mehr deutlich. „Rechts ist wie Links, nur auf der anderen Seite“ gilt da leider nicht nur für den Fußballplatz, denn die populistischen Instrumente der verschiedenen politischen Richtungen sind sehr oft die gleichen. Gerne amüsiere ich mich z.B. über Hr. Stegner von der SPD auf Twitter, der Stil seiner Kommentare erinnert mich immer an meine Kindheit. Aber soll er! Warum nicht ?

Eine wirklich billige, ach was, die billigste Art der Diskussionsführung ist das rauskramen von „Schwächen“ – da wird gerne die Rechtschreibprüfung übernommen jedoch inhaltlich alles ignoriert, der Schreiberling wird lächerlich gemacht. Ich frage mich immer wie das zielgerichtet sein kann. Wie will ich jemanden argumentativ einfangen, wenn ich im kindergärtlichen Klugscheißermodus agiere. Natürlich, irgendwie haben wir das alle schon mal gemacht, aber welches Ergebnis zu erwarten war, das war klar. Genauso klar wie polarisierend und das dann nichts mehr geht, wen wundert`s. Es gibt da keine Ziele.

Kritische Diskussionen sind wichtig, aber wer hört schon gerne Kritik. Kritik braucht nicht nur eine Kompetenz im Aushalten, die passive Kritikfähigkeit, sondern auch im Aussprechen, der aktiven Kritikfähigkeit. Kritik wird unterschieden von:

  • Skepsis, die niemals vergisst, dass auch sie selbst irren kann
  • Verriss,  Schmähkritik, die nicht auf eine Verbesserung abzielt, sondern auf  Vernichtung
  • Schmähkritik, nicht mit Argumenten geführt  die auf Verächtlichmachung einer kritisierten Person abzielt
  • Tadel und Schelte, missbilligenden Beurteilungen, Erziehungsmittel
  • Rüge, einer missbilligenden Beurteilung
  • Krittelei, kleinliches Kritisieren  Tendenz zum NörgelnÜberprüfen sie sich selber, wie oft sie mit ihrer Art der Kritik einer vernünftigen Diskussion eigentlich im Wege stehen.

Aus der psychologischen Perspektive weiß auch der Kritisierende, das seine Kritik selten gern gehört ist. Die Kritikkompetenz ist eine erlernte Fähigkeit. Sie zielt darauf ab, die erhaltene Kritik nicht als Angriff gegen die eigene Person zu verstehen, sondern als nützlichen Hinweis und Kritik so zu üben, dass sie, anstatt zu kränken, doch eher als motivierend aufgenommen wird. Wenn wir über den fairen Ansatz von Kritik sprechen, so kommt doch dann eher die Skepsis in Frage. Aber wie bei allem Gelernten : don’t use it you lose it.

Überprüfen sie sich selber, wie oft sie mit ihrer Art der Kritik einer vernünftigen Diskussion eigentlich im Wege stehen.

Eine Frage ist keine Kritik.

Dushan Wegner , Texter und Autor mit dem Spezialgebiet der politischen Sprache, bringt es oft auf den Punkt. Kommentare als auch Artikel zeugen von Verstand und dem notwendigen Herz für die gewählten Themen. Offen für alle Themen und seinem Magister in Philosophie entsprechend, stellt er viel in Frage und beleuchtet daher aus verschiedenen Richtungen.

Wer Fragen stellt wie :“Wer ist übler? Der kalkulierende Provokant oder der dankbare Provozierte“ in Anlehnung an Gauland vs. Boateng, wird gerne klassifiziert, obgleich er doch nur eine Frage stellte.  Nach genau dem gerade genannten Schema wird Herr Wegner politisch „ganz klar“ eingeordnet, dann beschimpft man ihn noch, aber – jetzt kommt der Funken Hoffnung – es hat doch was harmonisches, die Einigkeit über differente Ansichten. wenn man sie sieht.

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Den „umstrittenen“ Artikel können sie hier lesen

Es sei hier noch erwähnt, das Jerome Boateng für mein Verständnis hervorragend reagiert hat und Sami Khedira bringt es auf den Punkt. Es geht um gemeinsame Werte und lass doch den Gauland quatschen. …“man muss nicht alles kommentieren“, Herr Grindel, der amtierende DFB Präsident, „[…]Wir lassen nicht zu, dass auf dem Rücken eines unserer Spieler Politik gemacht wird[…]“, verunstaltet mit seiner politisch verstopften Art ein wenig den eigentlich schönen und kurzen Bericht von N24 – denn natürlich wird mit den Spielern Politik gemacht – gerade hinsichtlich Migrationshintergrund, den unterschiedlichen Kulturen aber eben den gemeinsamen Werten und Zielen als das wirklich Wichtige. Und das ist auch gut so!

Auch ein herzliches „Du bist ein Idiot“ als Reaktion auf ein durch mich vorgebrachtes Argument erzürnt mich eher selten, justiziabel wär es für mich noch lange nicht. Amüsiert meine ich aber zu beobachten das gerade die, die lauthals gegen Hatespeech sowie der „Verwechslung“ von Meinung und Beleidigung protestieren, stets schärfere Gesetze fordern, auch jene sind, die sich mit dem Glauben die Gerechtigkeit auf ihrer Seite zu haben, in Wort und Text vergreifen. Für mein Empfinden höre ich das immer mehr und mehr auf dem linken Ohr.

Das Phänomen Internet, was längst keines mehr ist, lässt hier aber absurde Ausflüge zu, die Art Exkurse, die man im gelebten Leben so nicht machen würde.

Würden sie als Schalke Fan während eines Bundesligaspiels gegen den BVB in eine BVB Kneipe gehen? Na klar, warum nicht. Muss ich davon ausgehen, dass ich abwertende Kommentare gegen S04 höre ? Muss ich damit rechnen, dass ich rausfliege, wenn ich unentwegt „BVB ist scheiße“ skandiere? Zweimal : JA Verstanden ? Noch nicht ? Ok ! Gehen Sie auf eine Weinmesse als Biertrinker und rufen in den Saal „Wein ist scheiße“? Nein? Ich auch nicht aber genau das kann man in den Social Networks, die in vielen Fällen schon das echte Leben ersetzt haben, beobachten. Menschen mit klarer politischer Gesinnung, ob rechts oder links, treiben sich auf den Foren der anderen rum und starten ihre Reflexempörung – und da nimmt sich keine Seite was. Da wird auch auf 4 Zoll gesucht was das Zeug hält, ob nicht jemand eine Beleidigung ausgestoßen hat oder ob das ein Hasskommentar sein könnte . So genau weiß man das vielleicht nicht, aber vorsichtshalber bringen wir das zur Anzeige.

Szenenwechsel : Jetzt stellen sie sich den Schalke Fan vor, wie er auf der Polizeiwache auf dem Schoß des Polizisten hockt und Anzeige erstatten will, weil er rausgeflogen ist aus der Kaschemme und „die“ ihn „Scheiß Schalker“ genannt haben. Jetzt könnte man spekulieren, ob er eher eine Standpauke wegen groben Unfugs bekommen sollte oder ob der Bundesjustizminister ein neues Gesetz vorschlägt, welches das Verhalten gegenüber vereinsfremder Kneipentouristen im gegnerischen Lager regelt.

Manuel Barth