Archiv für den Monat: Dezember 2014

Ey man, wo ist mein Auto ?

Vierhundermillionen ! 400.000.000,00 EUR

So hoch ist der Schaden, der Autobestitzern im Jahr durch „Totalentwendung“ – so nennen es Versicherer, entsteht. Nanu wird der eine oder andere jetzt denken, wieso dem Besitzer, es zahlt doch in der Regel die Versicherung. Ja das ist (fast immer) richtig – aber eine Versicherung, so sehr sie sich doch in der Balzphase um die Gunst des Klienten bemüht und stets versucht ein weihnachtliches Gefühl der Nächstenliebe zu versprühen und zu hinterlassen hat die erste Regel auf der To Do Liste: Geld verdienen. Versicherer machen nichts, um in den Himmel zu kommen. Dem zufolge wird der Schaden natürlich an den Versicherungsnehmer weitergegeben und hier reden wir nicht über Peanuts.

Heute gestohlen, morgen in Polen ! Huiii – jetzt kommt der Nazifizierungsalarm durch den Äther, aber leider ist da was dran. Die Begründung hierfür ist, das Polen als Drehscheibe zwischen Ost und Westeuropa dient und in etwas 60.000 – 100.000 Polen laut ARD Recherchen in Diebstähle oder in die Hehlerei involviert sind. Aber ganz richtig ist der Satz dennoch nicht, denn morgen ist er nicht in Polen, morgen ist er in der Ukraine oder sonst wo. Die polnische Regierung hat in der vergangen Zeit einige Hürden geschaffen was das Zulassen und Anmelden gebrauchter KFZ betrifft – aber herje – wer glaubt denn wirklich, dass subversive Elemente aufgeben, wenn es um eine Industrie von 400.000.000,00 EUR geht. Der polnische Botschafter Marek Prawda entgegnete auf die Frage ob Polen das Dorado der Automafia sei mit einem klaren nein, die Verantwortung würde bei den Herstellern liegen und vielleicht sei es halt zu einfach in Deutschland Autos zu stehlen. – Ohne Worte Das geklaut wird, das liegt am Kriminellen und nicht am Hersteller, jedoch stellt man sich natürlich die Frage, warum der Hersteller das nicht erschwert? – Im Fokus der Diebstähle sind Wagen im Alter zwischen 4 – 7 Jahre, gut ausgestattet, einiges an Elektronik aber auf einem Sicherheitsniveau eines Radioweckers. Man stelle sich mal vor man würde sein Antivirenprogramm am Computer einige Jahre nicht aktualisieren. Der heutige Autoknacker ist ein Autohacker – alles geht elektronisch, Komfort auf der einen Seite, Risiko auf der anderen. Man muss nicht lange im Internet unterwegs sein, um Händler zu finden, die alles anbieten was für eine „Inbesitznahme“ ausreicht. Steuergeräte werden überspielt, die Identität des Fahrzeugs einem fremden Schlüssel angepasst und los geht er, der Kleine.

In den USA dürfen nur Fahrzeuge zugelassen bzw. können versichert werden, deren Steuergerät bzw. die darin enthaltenen Chips nur einmal beschreibbar sind – also hier ist nix mit löschen und neu aufspielen. Ein Gesetzt sehr zum Leid der Hersteller. In Europa ist das keine Pflicht – klar: mehrfach beschreibbare Chips lassen Softwarereparaturen und Updates zu – aber eine aus aktuellem Anlass paranoide Grundstimmung lässt mich natürlich fragen: wohin gehen die 400.000.000,00 EUR ? – ich wage mal zu denken, dass hiervon keine Schnitzel Pommes gekauft werden sondern die Anschaffung neuer Fahrzeuge vermutet werden kann. Wer weis das schon….. Wenn noch vor 2007 das eigene Auto direkt in Polen auf die Rolle kam so hat sich seit der Erweiterung des Schengenraums der Diebstahl in das Heimatland des Autobaus verlagert. Größere Auswahl!
Der Tagesspiegel zitiert hierzu ein ihr vorliegendes Schreiben : In Verbindung mit dem auffälligen Rückgang der Auslandsentwendungen insbesondere in Tschechien und in Polen wird angenommen, dass eine Verlagerung der Entwendungstaten vom Ausland nach Deutschland hin stattgefunden hat und die Erweiterung des Schengenraums und der damit einhergehenden Ausnutzung des Wegfalls der stationären Grenzkontrollen an den deutschen Grenzen zu Polen und Tschechien hierfür wesentlich ursächlich sein dürfte.“

Den Schengenraum als solches eindimensional zu verfluchen ist jedoch ein wenig verfrüht, denn die Diebstahlrate in Trier mit Verschieben der Beute nach Luxemburg ist so nicht aufgefallen (ist auch Schengenraum) in der Umkehr ist es jedoch ratsam in Görlitz zu zweit tanken zu fahren, damit einer auf das Auto aufpasst während der Fahrer den Sprit bezahlen geht.

In Frankfurt an der Oder werden die meisten Autos gestohlen, hier liegt der Durchschnitt 750 fach höher als im Südwesten der Republik. Der Aufklärungsdurchschnitt liegt bundesweit bei ca. 25% aber gerade im benannten Raum bei ca 9%. Im allgemeinen kann man sagen, dass des Deutschen liebste Kind in den neuen Bundesländern am gefährdetsten ist und das ansteigend zur Grenznähe gen Osten. Es ist nicht so, dass alle Polen Autos klauen aber es sieht danach aus, dass fast alle, die Autos klauen, aus Polen kommen.
Nach Angaben des Berliner LKA kommen die Diebe meist aus Osteuropa und dazu zählt auch Polen. Mir ist klar, dass der brave Pole es nicht mehr hören kann stets und ständig mit Autoklau in Verbindung gebracht zu werden. Aber so isses halt, gerade ich als Deutscher kann durchaus ein Lied davon singen mit Ereignissen in Verbindung gebracht zu werden, die ich zum einen nicht getan habe und zum zweiten 80 Jahre zurück liegen. Aber da kann ich nur sagen, liebe Nachbarn, beschwert euch nicht über die, die den Verlust ihres Eigentums beklagen, macht eure Landsleute für euren Rufmord verantwortlich und das lautstark.

Der beschwichtigende Versuch einzubringen, dass die Diebe auch aus dem weiter weg liegenden Osteuropa und dem Balkan kommen wirkt schon wie hysterisch verzweifelte Rechtfertigung, passt aber gerade in die politische Grundstimmung und wird nur von dem Argument, dass es schließlich auch deutsche Autoschieberbanden gibt, übertroffen. Oh mein Gott – es gibt in Deutschland deutsche Autodiebe? Na ob das politisch korrekt ist –

Mein großer Dank als Geschädigter an dieser Stelle gilt der SOKO Grenze, die mit bescheidenen Mitteln und Personalnot dennoch engagiert auf den grenznahen Straßen unserer Republik ihren Dienst versehen und dem einen oder anderen einen materiellen Verlust ersparen können als auch kompetent und freundlich dem Geschädigten zur Seite stehen. Land und Staat haben lange noch nicht verstanden, dass es wichtig ist auch hier aufzurüsten und die Beamten entsprechend auszustatten, sei es materiell, sei es politisch. Hoch organisiert agieren Autoschieberbanden. Die Executive? : behäbig bewegt sich nach traditionellen Judoregeln und will mitmischen in einer ordentlichen Kneipenschlägerei und staunt, das nichts bei rumkommt oder man die Jacke in Brand gesetzt bekommt. Ein gestohlenes Fahrzeug wird vom „Hacker“ einem Fahrer übergeben – im besten Falle wird dieser geschnappt – da ihm der Diebstahl aber selber nicht nachzuweisen ist, kommt er wieder auf freien Fuß – so siehts der Gesetzgeber.